Funk Global Risk Consensus 2022

Cyber-Risiken rangieren in der Risikobeurteilung von Unternehmen weiterhin an erster Stelle. Gleichbedeutend sind mittlerweile aber auch Nicht-Berufskrankheiten. Dies aufgrund der global noch nicht bewältigten Corona-Pandemie. Auch die Auswirkung des Klimawandels rücken vermehrt in den Fokus der Unternehmen. Das zeigt der Global Risk Consensus 2022 von Funk.

Im 5. Funk Global Risk Consensus rangieren wie bereits in den Vorjahren die Cyber-Risiken auf dem ersten Platz. Dieser Platz muss jedoch im Jahr 2022 mit dem Risiko "Nicht-Berufskrankheiten" geteilt werden. Der Grund: Expert*innen bewerten die negativen Auswirkungen der Corona-Pandemie weiterhin als bedeutend. An dritter Stelle unter den Top-Risiken folgen die Auswirkungen des Klimawandels, nachdem Stürme, Hochwasser und Dürren im letzten Jahr weltweit für verheerende Schäden gesorgt haben.

Die Risikolandschaft hat sich auf den Topplatzierungen gegenüber dem Vorjahr nur wenig verändert. Wichtig ist dabei die Feststellung, dass die Mehrheit der Befragungen im letzten Herbst durchgeführt wurden und zu dieser Zeit der Krieg in der Ukraine noch kein Thema war. Das erinnert an das unerwartete Auftreten des Pandemie-Risikos, das Risiko-Spezialist*innen im Jahre 2019 ebenfalls noch nicht auf dem Radar hatten und wenige Monate danach von der Corona-Krise mit ihren globalen Auswirkungen überrascht wurden. Das mag ein Zufall sein, sollte den Risikoverantwortlichen in Unternehmen jedoch eine Warnung sein, sich auch auf das Unerwartete vorzubereiten.

Das Ranking der 5 globalen Top Risiken für Unternehmen

Das Top-Unternehmensrisiko Cyber, darf nicht einseitig auf die Cyberkriminalität bezogen werden.  Die zunehmende Digitalisierung von Produktion und Verwaltung bringt auch eine erhöhte Anfälligkeit von Systemen mit sich. Die durch die Pandemie in Unternehmen provozierte Homeoffice-Praxis musste vielfach unter hohem Zeitdruck und meistens auf Kosten der Sicherheit umgesetzt werden. Oft wurden dabei Sicherheitsaspekte stiefmütterlich behandelt, da die Funktionalität im Vordergrund stand.  

Auch wenn sich bereits 2021 eine langsame Besserung der Corona-Situation abgezeichnet hatte, werden die Nicht-Berufskrankheiten für die Zukunft noch gewichtiger angesehen als in der Bewertung des Vorjahres. Dies liegt zum einen an den möglichen Langzeitfolgen beim eigenen Personal oder bei den globalen Lieferketten. Die Befürchtung, dass künftige Corona-Mutanten ansteckender oder aggressiver sein könnten als die bisherigen Varianten, mag ein Grund für diese Risikoeinschätzung sein. 

Das letzte Jahr war geprägt von einer steigenden Zahl von Schadenfällen durch Sturm, Flut und Trockenheit. Diese Zunahme ist im Klimawandel begründet. Die Schäden sind global von 70 Milliarden Dollar auf insgesamt 280 Milliarden Dollar gestiegen. Zusammen mit dem gesellschaftlichen Druck zur Nachhaltigkeit führt dies zu größeren Risiken bei Unternehmen. Dies zeigt sich dadurch, dass der Klimawandel im diesjährigen Consensus auf Platz 3 aufgestiegen ist. Das globale Ziel von "Netto null", also der Klimaneutralität in Bezug auf den Hydrokarbon Ausstoß wird weltweit vorangetrieben. Das fordert Unternehmen bei der Umsetzung respektive der Anpassung ihrer Geschäftsmodelle zunehmend heraus und kann zudem zu neuen Risiken führen, die heute noch gar nicht im Bewusstsein der Risikoverantwortlichen sind.

Nicht nur aufgrund der Maßnahmen gegen die Klimaerwärmung werden weltweit neue Regulierungen eingeführt. Emissionsstandards werden weiter verschärft und Produkte unterliegen immer mehr Auflagen bezüglich Sicherheits- und Gesundheitsstandards. Auch die Pandemie hat zu neuen Regulierungen geführt, die für viele Unternehmen neue Herausforderungen darstellen. Seien das Schutzmaßnahmen für das eigene Personal oder Einschränkungen bei Geschäftsreisen. Des Weiteren werden soziologische Probleme vermehrt reguliert, und von den Unternehmen wird Gleichstellung und Integration nicht mehr nur erwartet, sondern in Form gesetzlicher Vorgaben zwingend eingefordert. Alle diese Änderungen und Verschärfungen bergen Risiken, die zu negativen Folgen für die Geschäftstätigkeit führen können, falls sie auf Ebene der Geschäftsleitung und des Verwaltungsrats nicht rechtzeitig adressiert werden.

Die Folgen der Pandemie und die von der Politik eingesetzten Instrumente zur Abfederung der Auswirkungen für Wirtschaft und Gesellschaft, haben die kurzfristigen Probleme gut abfedern können. Langfristig werden die entsprechenden Investitionen jedoch Folgen haben. Das weltweite Wachstum der Inflation mit einer aktuell nicht auszuschließenden Lohn-Preis-Spirale ist ein Schreckensszenario für viele Unternehmen. Auch der Druck auf Unternehmen sich digital weiterzuentwickeln, wird weiterhin anhalten.

Systematik

Damit der Funk Global Risk Consensus so neutral wie möglich ist, werden die erfassten Risiken aus den fünf ausgewerteten Studien in eine Rangliste gebracht. Da in jeder Studie bereits eine Bewertung aufgrund der Anzahl Nennungen vorhanden ist, benutzt Funk ein einfaches Punktesystem, um die Risiken zu bewerten. Ist ein Risiko bei einer Studie auf Platz eins, wird es mit 10 Punkten bewertet, ist es auf Platz 10 mit einem Punkt. Danach werden die Punkte der Risiken von allen Studien zusammengezählt. Dadurch entsteht eine neutrale Rangliste im Funk Global Risk Consensus, da so nur Risiken, die in mehreren Studien auf den vorderen Plätzen genannt werden es auch im Funk Global Risk Consensus in die vorderen Plätze schaffen. Sollten zwei oder mehrere Risiken den selben Score erhalten, zählt das Risiko als "größer", welches in mehr Studien genannt wurde.

Warum ein globaler Risk Consensus Sinn macht

Jedes Jahr führen namhafte Unternehmen und Institute Umfragen und Analysen durch, um die Stimmungen im wirtschaftlichen Umfeld zu untersuchen. Ein spezieller Fokus wird dabei auf diejenigen Risiken gelegt, mit denen Unternehmen jeweils aktuell konfrontiert sind. Zudem werden Risiken identifiziert, die im folgenden Geschäftsjahr als besonders besorgniserregend eingestuft werden. Aus den Antworten werden die Top 10 Risiken ermittelt und anschließend medial verbreitet. Die Resultate einzelner Studien sind jedoch mit Vorsicht zu genießen, da sie tendenziell durch voreingenommene Fragestellungen und Auswertungen beeinflusst werden können. Ein "Studien-Bias" kann auch bei großen Namen nicht ausgeschlossen werden.

Um den Marktteilnehmer*innen einen neutralen Überblick zu verschaffen, ist es sinnvoll, den "Studien-Bias" bestmöglich zu eliminieren. Hier setzt der Funk Global Risk Consensus an. Dafür werden fünf jährlich wiederkehrende Studien und Risikoreports konsolidiert und ausgewertet. Dies stellt sicher, dass eine verlässliche und vergleichbare Datenbasis vorliegt. Die Studienauswahl umfasst Arbeiten von Rück- und Direktversicherern, Beratungsgesellschaften, wissenschaftlichen Instituten und dem World Economic Forum (WEF). Die getroffene Auswahl garantiert Vielfältigkeit und ermöglicht eine ausgewogene Auswertung.

Die Basis zum Funk Global Risk Consensus bilden die Studien mit dem Erhebungszeitraum Q4 des Vorjahres.

Erfasste Studien und jeweiliges Studienziel

Folgende fünf Studien werden für den Funk Global Risk Consensus ausgewertet:

Allianz Risk Barometer – Befragung von ca. 3.000 Risikomanagement Expert*innen aus 100 Ländern. Ziel ist es, die wichtigsten Betriebsrisiken zu bestimmen.

(World Economic Forum mit Beratungs- und Versicherungspartnern, National University of Singapore, Oxford Martin School -  University of Oxford, Wharton Risk Management and Decision Processes Center - University of Pennsylvania): The Global Risks Report - Als Grundlage dient die Global Risks Perception Survey welche die rund 800 Mitglieder des WEF ausgefüllt haben. Zusätzlich wurden noch gut 200 Mitglieder der Global Sharpers Community befragt. Das Ziel ist, aufgrund der Antworten gemeinsam nachhaltige Lösungen für die wichtigsten Risiken zu finden.

BCI Horizon Risk Scan - Das BCI hat über 9.000 Mitglieder in über 100 Ländern, welche für den Horizon Risk Scan befragt werden. Das Ziel ist, Firmen widerstandsfähiger zu machen.

Annual Global CEO Survey - über 5.000 CEOs aus 100 Ländern werden für die jeweilige Ausgabe befragt.

(Research conducted by NC State University's ERM initiative and Protiviti): Executive Perspective on Top Risks - Befragung von ca. 1.100 Board Members und Executives weltweit. Das Ziel ist es, Firmen eine vereinfachte Handhabung von Risiken zu ermöglich.

Eintrittswahrscheinlichkeit - Scheingenauigkeit mit Folgen

Die Pandemie sowie der Krieg in der Ukraine hat die Gesellschaft und somit auch die Unternehmen völlig überraschend getroffen. Eine der möglichen Ursachen für den Überraschungseffekt ist die Risikobewertung im Zuge des Risikomanagements, die unter anderem oft anhand von Eintrittswahrscheinlichkeiten erfolgt.

Die Einschätzung der Eintrittswahrscheinlichkeit ist eine der größten Herausforderungen im Risikomanagement-Prozess. Eintrittswahrscheinlichkeiten sind oft nur scheingenau und führen meist zur Unterschätzung von Risiken. So ist es ein großer Unterschied, ob eine Eintrittswahrscheinlichkeit als klein beurteilt wird oder ob im Risikobericht die Eintrittswahrscheinlichkeit nicht beurteilt werden kann.

Es bedarf also eines Umdenkens und der Einsicht, dass wir zukünftige extreme Ereignisse nicht vorhersagen können und uns deshalb im Rahmen der unternehmerischen Möglichkeiten auf diese vorbereiten müssen. Ergänzend dazu sollten Risikoaspekte bei unternehmerischen Entscheidungen verstärkt berücksichtigt werden. So könnte zum Beispiel eine Lieferantenentscheidung aus Risikoüberlegungen zugunsten eines inländischen Anbieters ausfallen, statt auf einen kostengünstigeren Anbieter in einem fernen Land zu setzen.

Welche Risiken mit massiven globalen Auswirkungen werden wie die Pandemie potentiell unterschätzt?


Unterbruch des Internets

  • durch Infrastrukturschäden (z.B. gleichzeitiger Ausfall mehrerer Unterwasserkabel und folglich limitierter Kapazität, welche wohl dann von den Staaten kontrolliert wird und nicht mehr frei verfügbar wäre)
  • massive Cyberangriffe, die mehrere ISPs funktionsuntüchtig machen
  • Software Bugs, die mehrere ISPs funktionsuntüchtig machen

Ausfall der Kommunikationsinfrastruktur

  • Software Bugs
  • Cyberangriffe
  • Infrastrukturschäden
  • Ausfall vieler Satelliten (z.B. Sonnensturm, Meteorschauer)

Stromausfall in den größten globalen Wirtschaftszentren

  • Cyberangriffe
  • Infrastrukturschäden (z.B. Sonnensturm, welcher weltweit viele Transistoren zerstört)

Ausbruch eines Supervulkans
 

Auswanderungs-/Flüchtlingswellen

  • Krieg
  • Nahrungsmittelkrise

Globaler Schädlingsbefall

  • rasche Ausbreitung eines Schädlings/Pilzes/Bakteriums, welches große Bestände von Kulturpflanzen befällt und zu massiven Ernteausfällen führt


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Pressemitteilung

15. Juni 2022
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